Antrag: Radverkehr in Kevelaer – 30. Juni 2022

An den Bürgermeister durch die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen:

  1. Dondertstraße wird Fahrradstraße
    Begründung:
    Die Dondertstraße ist als verkehrsberuhigter Bereich ausgebaut und beschildert (Schrittgeschwindigkeit 7 km/h).
    Die Straße wird von vielen Radfahrer*innen als Weg in die Innenstadt stark frequentiert und lt. Bäderverein benutzen in der Freibadesaison (Mai – Oktober) rund 90% der Besucher*innen das Fahrrad, um das Freibad zu erreichen.
    Nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung dürfen Fahrradstraßen nunmehr nur auf Straßen mit einer hohen Fahrradverkehrsdichte, mit einer hohen, zu erwartenden Fahrradverkehrsdichte, mit einer hohen Netzbedeutung für den Radverkehr oder mit lediglich untergeordneter Bedeutung für den Kraftfahrzeugverkehr eingerichtet werden.
    Aus unserer Sicht sind die Voraussetzungen bei der Dondertstraße für die Einrichtung als Fahrradstraße erfüllt. Auch wird die Dondertstraße oft nur als Abkürzung für PKW von der Rheinstraße zur Lindenstraße oder umgekehrt, genutzt; die vorgeschriebene Geschwindigkeit
    Tempo 7km/h wird meistens nicht beachtet.
  2. Alte Heerstraße wird Fahrradstraße
    Begründung:
    Die Gelderner Straße ist wegen fehlender Radwege hochgefährlich für Radfahrer*innen. Es gibt sogar Autofahrer, die die Verkehrsinseln verkehrswidrig umfahren, um Radfahrer*innen zu überholen. Als sichere Radwegeverbindung parallel zur Gelderner Straße soll eine Fahrradstraße die bisherige Einbahnstraße Alte Heerstraße ersetzen. Die Öffnung der Einbahnstraße für gegenläufigen Radverkehr kann nach StVO ausgeschildert werden. Auch für den touristischen Radverkehr zwischen Geldern und Kevelaer wäre eine Fahrradstraße eine Bereicherung. Die erforderliche Oberflächenbeschaffung für eine Fahrradstraße (bituminöse Oberfläche) ist auf der Alten Heerstraße gegeben. Notwendige kleine Ausbesserungen fallen nicht ins Gewicht und bedingen keine zusätzlichen Kosten für die Anlieger. Nach den Erfahrungen mit den Plänen für eine Fahrradstraße am Schravelener Niersweg, empfehlen wir eine frühzeitige Information und Beteiligung der
    Anlieger.
  3. Die Radwegbenutzungspflicht für den Radweg von Kreuzung Friedenstraße bis B 9 wird aufgehoben.
    Für den gleichen Abschnitt wird Tempo 30 km/h angeordnet. Es wird das Zusatzschild „Radfahrer frei“ (Zusatzzeichen 1022-10) angeordnet.
    Begründung:
    Der vorhandene und ausgeschilderte gemeinsame Geh- und Radweg (Zeichen VZ 240) entspricht nicht den nach der Verwaltungsvorschrift zur StVO VwV II. 2 bb zu §2 StVO zu Absatz 4 Satz 2) und ERA zwingend erforderlichen Breite von innerorts mindestens 2,50 m. Aufgrund des eingeschränkten Verkehrsraums kommt es immer wieder zu Konfliktsituationen mit Behinderung, Gefährdung oder mit verletzten Fußgänger*innen. Dort soll das Verkehrszeichen Gehweg – VZ 239 – mit dem Zusatzzeichen Radfahrer frei (Zusatzzeichen 1022-10) angeordnet werden. So können Radfahrer*innen entscheiden, ob sie den gemeinsamen Geh- und Radweg oder die Fahrbahn benutzen. Daher ist auf der Lindenstraße die Anordnung von Tempo 30 km/h zum Schutz der Radfahrer*innen unerlässlich.
    Positiv beeinflusst die Geschwindigkeitsbegrenzung auch die Ein- und Ausfahrt zum/vom „DM Markt“ von der Lindenstraße an der Kreuzung B 9.
  4. Installation eines ortsfesten, gelben Blinklichts mit Radsymbol nach § 38 Abs. 3 StVO am Knoten Schravelen / Grotendonker Straße. Aufbringen des Radfahrerpiktogramms auf der Furt
    Begründung:
    Für die aus Kevelaer kommenden und linksabbiegenden Autofahrer*innen sind querende Radfahrer*innen schlecht erkennbar, da sie außerhalb des Sichtfeldes radeln. Zur besseren Erkennbarkeit des Radverkehrs und zur Vermeidung von Radunfällen (Mehrfache Unfälle haben sich dort bereits ereignet) sollen dort zwei beidseitige, ortsfeste gelbe Blinklichter mit Radsymbol gem. § 38 Abs. 3 StVO angebracht werden. Lt. Verwaltungsvorschrift zur StVO dienen diese Blinklichter
    dazu, den Blick des Kraftfahrers auf Stellen zu lenken, die außerhalb seines Sichtfeldes liegen. Das ist hier erforderlich. Zusätzlich soll auf die Furt das „Radfahrer Piktogramm“ nach RMS (Richtlinie für
    die Markierung von Straßen) aufgebracht werden, um zusätzlich für mehr Sicherheit für den Radverkehr zu sorgen.
  5. Radfahrergerechte Ausbauplanung im Kreuzungsbereich Kreisverkehr Wettener Straße – Feldstraße
    Begründung:
    Die Radwegeverbindung von Wetten nach Kevelaer führt über die Wettener Straße /Feldstraße in die Innenstadt. Vom Kreisverkehr in Richtung Feldstraße endet der Radweg abrupt und Radfahrer*innen müssen ungeordnet auf der Feldstraße mit dem KFZ-Verkehr weiterfahren. Bei der Ausbauplanung für das Gewerbegebiet „Aent Vorst“ ist auch der angesprochene Kreuzungsbereich radfahrergerecht zu gestalten.
  6. Umgestaltung Kreuzungsbereich Twistedener Straße / Walbecker Straße
    Begründung:
    Von Twisteden kommend endet der Radweg an der Ampel. Er wird sodann mit einer kleinen angedeuteten Verschwenkung auf der Twistedener Straße mit ungenügender Markierung ein kurzes Stück weitergeführt. Danach fahren die Radfahrer*innen gemeinsam mit dem KFZ-Verkehr in Richtung Innenstadt. Hier sehen wir einen Gefahrenpunkt für Radfahrer*innen. Im Zusammenhang mit der Überplanung des Kreuzungsbereichs soll die Ampelschaltung fahrradfreundlich angepasst werden. Am St. Klara Platz wird der Verlauf des „sogenannten“ Radweges noch unübersichtlicher und verwirrender. Eigentlich ist hier nicht erkennbar, wer wo radeln soll bis Radfahrer*innen an der Ecke Römerstraße in die Marktstraße „gezwungen“ werden. Menschen werden für die Benutzung eines Rades statt des Autos nur überzeugt, wenn die Infrastruktur (Radwege) von ihnen als sicher wahrgenommen wird. Daher ist eine Neuplanung für den Radverkehr vom Kreuzungsbereich Kroatenstraße bis Ecke Römerstraße zwingend notwendig. Viele Rad-Touristen, die Kevelaer besuchen, benutzen die Twistedener Straße als Verbindung zwischen Innenstadt und „Sole- und Pilgerpark mit Gradierwerk“.

Grundsätzlich ist festzustellen:
Der Zwischenbericht zum Verkehrskonzept der Wallfahrtsstadt Kevelaer vom 11.02.2021 hat es zu Tage gebracht: 93% aller Haushalte in Kevelaer verfügen mindestens über ein Fahrrad, 72% der Haushalte über mehr als 1 Fahrrad. 23 % aller Wege werden in Kevelaer mit dem Fahrrad erledigt, innerhalb
Kevelaer Stadt sogar 29% aller Wege. Im Vergleich zu anderen Städten ist das Radverkehrsaufkommen in der Wallfahrtsstadt Kevelaer überdurchschnittlich hoch einzustufen. Die Wallfahrtsstadt Kevelaer durchqueren zahlreiche Radwege-Routen, die teilweise auch grenzüberschreitend verlaufen.
Das Ergebnis einer repräsentativen Haushaltsbefragung ergab folgendes:
Die baulichen Zustände der Radwege und unübersichtliche Kreuzungen werden kritisiert. Es gibt einen Optimierungsbedarf der Radverkehrsführung.

  • Überleitung Radweg auf Fahrbahn
  • Breite der Radwege
  • Konflikt Radverkehr und Fußverkehr und ruhender Verkehr
  • Fehlende Querungsmöglichkeiten
  • Hohe Geschwindigkeiten der Kfz
  • Fehlende Sichtbeziehungen (z.B. durch Bewuchs)
  • Fehlende Beschilderung / Wegweisung
  • Fehlende Markierungen (z.B. Furtmarkierungen)

Politisch wurde schon 2021 ein konkretes Verkehrskonzept mit einem Netzkonzept für den Radverkehr in der Innenstadt von Kevelaer für erforderlich gehalten. Im Städteranking Fahrradklimatest 2022 des ADFC in der Kategorie Städte 20.000 – 50.000 Einwohner, erreichte Kevelaer von insgesamt 415 Plätzen
den Rang 227 mit der Note 3,95. Gegenüber dem Jahr 2018 wurde eine leichte Verschlechterung festgestellt. Danach scheint sich hinsichtlich der Fahrradfreundlichkeit in Kevelaer noch zu
wenig zu bewegen, obwohl der Rat der Stadt als Ziel eine fahrradfreundliche Stadt definiert hat und schaffen will. Nachweislich ist Radfahren der Schlüssel zu einer nachhaltigen Mobilität in der
Zukunft. Das Fahrrad leistet als sogenanntes Zero-Emission-Fahrzeug einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen und der Klimaerwärmung. Das Fahrrad verursacht keinen Lärm und braucht wenig Stellfläche. Fahrradfahren trägt zur Lebensqualität bei!

Um dem Ziel näher zu kommen, den Radverkehr in Kevelaer zu fördern, müssen die beantragten Maßnahmen möglichst zeitnah umgesetzt werden. Auch stehen unsere Vertreterin und unserer Vertreter im Arbeitskreis gerne zur Beantwortung von Fragen von Kolleg*innen der anderen Fraktionen und von der
Verwaltung zu diesem Antrag, gerne zur Verfügung.

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