Im Haupt- und Finanzausschuss wurde im Zusammenhang mit dem Haushaltssicherungskonzept mehrheitlich beschlossen, den Vertrag mit dem Caritasverband Geldern-Kevelaer zur Flüchtlings- und Migrationssozialarbeit zum 31.12.2026 zu kündigen. Als Grüne Fraktion sehen wir diese Entscheidung mit großer Sorge.
Deshalb haben wir beantragt, den Caritasverband in die nächste Sitzung des Sozialausschusses einzuladen. Dort soll der aktuelle Halbjahresbericht vorgestellt und erläutert werden: Welche Arbeit wird konkret geleistet? Welche Wirkung hat sie? Und welche Perspektiven gibt es für die Zukunft?
Integration passiert nicht von allein
Der Bericht zeigt deutlich, wie vielfältig diese Arbeit ist. Die Beratung richtet sich nicht nur an Geflüchtete, sondern auch an viele EU-Zugewanderte, etwa Saisonarbeitskräfte. Für viele von ihnen ist der Einstieg in das deutsche System ohne Unterstützung kaum zu bewältigen.
Die Mitarbeitenden helfen zum Beispiel dabei:
- eine Sozialversicherungsnummer zu beantragen
- das deutsche Krankenversicherungssystem zu verstehen
- Arbeitsverträge zu prüfen
- notwendige Unterlagen zusammenzustellen
- Gesundheitszeugnisse, Führerscheinfragen oder Anerkennungsverfahren zu klären
Auch Familien werden begleitet: beim Verständnis des Schul- und Betreuungssystems, beim Online-Antrag für Kita-Plätze oder bei Gesprächen mit Schulen. Ohne diese Unterstützung geraten viele Menschen schnell an Grenzen.
Wer hier spart, zahlt später drauf
Wenn diese Arbeit wegfällt, verschwinden die Probleme nicht. Sie verlagern sich nur – zu Jobcenter, Schulen, Kitas, Vermietern oder Arbeitgebern. Integration wird schwieriger, Arbeitsaufnahme verzögert sich, und die Belastung für kommunale Strukturen steigt.
Deshalb halten wir diese Arbeit nicht nur aus menschlicher Sicht für notwendig. Sie ist auch finanziell sinnvoll: Gute Beratung und Begleitung verhindern Folgekosten und entlasten langfristig die Stadt.
Wir wollen Lösungen statt einfacher Streichungen
Unser Ziel ist nicht, den Status quo einfach zu verteidigen. Wir wollen prüfen, unter welchen veränderten Rahmenbedingungen eine Fortführung möglich ist – etwa mit angepasstem Aufgabenumfang.
Wir werden daher auch Vorschläge zur Gegenfinanzierung vorlegen. Denn klar ist: Wer Integration ernst meint, darf die Strukturen, die sie ermöglichen, nicht leichtfertig abbauen.
Der Sozialausschuss bietet jetzt die Chance, auf Grundlage von Fakten zu entscheiden – und nicht nur auf Basis von Sparzwängen. Genau dafür haben wir den Bericht der Caritas auf die Tagesordnung gesetzt.

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